Sonntagskaffee

Sie hatte noch dünner ausgesehen, als er sie ohnehin schon in Erinnerung hatte. Bestimmt stimmte etwas in ihrer Ehe nicht, dachte er und macht sich einen zweiten Kaffee. Endlich Sonntag. Er würde heute zuhause bleiben. Zu trüb, zu regnerisch das Wetter. Nichts im Vergleich zu dem tollen Sommer. Er hatte sie im Freibad gesehen, mehrmals. Meist trug sie etwas über den Badeklamotten. Er glaubte, sie bade nicht gerne. Ins Bad ginge sie demnach nur ihrer Tochter zuliebe.

Was ist die Welt so schlecht, dachte er und verbrühte sich am Kaffee die Zunge. Menschen treffen sich, fallen übereinander her, stecken ihre Gliedmaßen ineinander und müssen dann sehen, wie sie ein Leben lang miteinander klarkommen. Oder sie lassen sich scheiden. Oder einer bringt den andern um. Ach gäbe es doch Tabletten gegen Beziehungsprobleme, dachte er und schüttete etwas Milch in den Kaffee.

Sie hatte ihm schon gefallen, aber sie hatten einander bloß gegrüßt. Bloß flüchtig, aber anders, als er all die anderen grüßte, wenn er durch das Freibad ging und all das Fleisch sah, mal mit mehr, mal mit weniger Tattoos bepinselt und mal mit mehr, mal mit weniger Stoff bedeckt.

Nicht selten widerte er sich selbst an, aber der Kaffee schmeckte und machte alles erträglich. Auch ein Droge, dachte er und drückte erneut auf die Taste und das Mahlwerk ratterte und die braune Brühe ergoss sich in seine Tasse.

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