wenn ihm es passt

Stellt euch einen Mann vor, der viel erlebt und gesehen hat. Und das Wichtigste ist dem Mann seine Freiheit. Er hat sich damit abgefunden, dass er sich an manchen Stellen zu arrangieren hat, hat Frau und Kinder und einen Beruf und auch er spielt seine Rollen, aber wenn er nachts am Lagerfeuer sitzt und über seine Schafe wacht und etwas trinkt, dann weiß er: Das hier ist mein Leben und diese meine Freiheit kann mir niemand nehmen und überdies hinaus kann mir niemand etwas geben, denn Freiheit ist alles.

Und so hat er sich geschworen, dass niemals das Leben ihn überrumpeln möge, dass er es nicht dem Schicksal überlassen will, wann er aus diesem Leben tritt und dass er es als letzten Akt seines selbstbestimmten Lebens ansieht, sich die Freiheit herauszunehmen, sein Leben zu beenden, WENN IHM ES PASST.

An einem Dienstagmorgen erfasste ihn ein Smart, den ein bekiffter Sechzehnjähriger seinem Vater entwendet hatte. Der Mann landete im Koma.

Seither saß seine Frau an seinem Bett und wachte. Und sie wusste um seinen Traum von der Freiheit und von seinem Vorhaben, aus dem Leben zu scheiden, WENN IHM ES PASST.

Und die Kinder trauerten und wuchsen alleine auf, denn sie hatten ja nun keinen Vater mehr.

Und vielleicht würde er aufwachen und weiterleben und vielleicht würde er sich auch dann noch das Leben nehmen, WENN IHM ES PASST, vielleicht hätte er aber auch etwas gelernt daraus, vielleicht ein wenig Demut gewonnen, vielleicht ein wenig Gemeinschaftsgefühl auch und vielleicht würde er, wenn er dann wieder am Lagerfeuer säße, an seine Frau und seine Kinder denken und danken, wem auch immer, und das Feuer löschen und nach Hause gehen, sich in sein Bett legen, damit er für den nächsten Tag ausgeruht wäre, um ihn mit seiner Frau und seinen Kindern und all den anderen Menschen, Schmetterlingen und Bäumen zu verbringen.

Zu wünschen wäre es ihm und ich wünsche es ihm.

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