Figur 2: Roswitha

Roswitha saß in ihrem Appartement und war zufrieden mit sich und der Welt, so wie sie es immer gewesen ist. Sie hatte sich ihr Frühstück heute mal wieder aufs Zimmer bringen lassen. Hatte dem Nachtdienst gesagt, sie fühle sich nicht und dann inständig gehofft, dass die Frühschicht das Spiel mitspielen würde. Es hatte funktioniert, der nette Zivi mit der angenehmen Stimme hatte ihr das Tablett gebracht. Jetzt laß sie ein wenig in Hitlers „Mein Kampf“. Wenn man sie fragte, was sie da lese, sagte sie regelmäßig: „Die Muschelsucher von Rosamunde Pilcher.“ Überprüfen konnte es ja niemand, weil die Brailleschrift hier niemand beherrschte. Sie war immer noch froh, dass ihre Eltern sie in die Herrenrasse geboren hatten, auch wenn man das heutzutage nicht mehr so sagen durfte. Ihr Spiegelbild sagte etwas Anderes. Es zeigte eine dunkelhäutige, ältere Dame. Aber das konnte sie ja nicht sehen.

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